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Die Linner Freiwillige Feuerwehr

In der heutigen Zeit sind die Feuerwehren öffentliche oder private Einrichtungen, deren Hauptaufgabe die Bekämpfung von Bränden ist. Daneben hat die Feuerwehr bei Unglücksfällen und bei öffentlichen Notständen, die durch Naturereignisse, Explosionen oder ähnlichen Vorkommnissen verursacht werden, Hilfe zu leisten. Schon im alten Rom gab es während der Kaiserzeit ein geordnetes Feuerlöschwesen als staatliche Einrichtung.

Im mittelalterlichen Deutschland wurden die Ortsbewohner zur Brandbekämpfung herangezogen. In Linn übernahmen zu dieser Zeit die Schützen die Funktion der Feuerwehr sowie das Bestattungswesen, die Polizeidienste, Ordnungsdienste und die Verteidigung der Stadt. Die ersten Freiwilligen Feuerwehren auf vereinsmäßiger Grundlage bildeten sich in Deutschland um 1850 in größeren Gemeinden und Städten. Die Aufsicht übten anfänglich die Gemeinden aus, erst durch Feuerlöschordnungen, danach bis 1938 die Länder durch Landesgesetze. Die ersten Spuren einer organisierten Feuerwehr in Linn finden wir im Krefelder Stadtarchiv: Hier wird in einem Schreiben (1864) an den Gemeinderat ein Spritzenhäuschen, welches an der Mauerstrasse gebaut werden soll, erwähnt. Bis zur Gründung der Feuerwehr im Jahre 1892 wurde zur Brandbekämpfung die Uerdinger Feuerwehr eingesetzt. Im Jahre 1875, so erzählen die Linner noch heute,wurde beim Brande bei Horster (jetzt Paschhof - Stadt Krefeld) die Uerdinger Feuerwehr von den Linnern naßgespritzt, das zur Folge hatte, daß sie nicht mehr nach Linn gekommen sind. Am 25. Januar 1892 wurde vom damaligen Bürgermeister der selbstständigen Gemeinde Linn, Hübner die Freiwillige Feuerwehr genehmigt.

In den noch erhaltenen Statuten der Freiwilligen Feuerwehr zu Linn ist im §1 folgendes zu lesen: "Der Zweck der Freiwilligen Feuerwehr ist ein geordnetes Zusammenwerken bei Feuergefahr, um Leben und Eigentum der Bewohner von Linn und der Umgebung zu schützen". Peter Holzapfel, der Chef der Feuerwehr war Gründer dieser Einheit. Der Vorstand bestand aus 9 Mitgliedern, die folgende Funktionen einnahmen: Peter Holzapfel, Chef, H. Funken, Vize Chef, W. Winkmann, Führer der Steiger-Mannschaft, P. Büschkens, Führer der Spritzen-Mannschaft, F. Rütten, Führer der Kuppen-Mannschaft (Wasserträger), T. Lücker, Führer der Ordnungsmannschaft, J. Dicken, Gerätewart, U. Jorcke, Kassierer und C. Hund-hausen, Schriftführer. In allen Einsätzen wurden die Mitglieder der Feuerwehr von ihren Arbeitgebern freigestellt.

Wer das 17. Lebensjahr vollendet hatte und unbescholtener Bürger war, konnte aufgenommen werden. Den Beitrag von 25 Pfg. vierteljährlich mußte jedes aktive Mitglied im Voraus bezahlen.

In den Allgemeinen Bestimmungen wurde unter § 15 folgendes festgelegt: "Wenn ein Brand außerhalb, jedoch in der Nähe von Linn, ausbricht, so kann die Feuerwehr mit ihren Spritzen nach Ermessen ihres Chefs dahin zur Hilfeleistung ausrücken". Zur Alarmierung der Mitglieder wurde vier Signalbläser ernannt, welche ihre bestimmten Reviere erhielten und deren Pflicht es war, bei ausbrechenden Bränden zunächst dem Chef und den Führern das Alarmzeichen zu geben. Sie erhielten von der Feuerwehr Signalhörner, welche zu Hause aufbewahrt wurden. Die Feuerwehr verpflichtete sich, durch regelmäßige Übungen die mögliche Voll-kommenheit im Gebrauch der Lösch- und Rettungsapparate zum Wohle der Gemeinde und der Umgebung zu erlangen und nichts zu versäumen was sie in den Stand versetzte, bei Feuergefahr Leben und Eigentum der Mitbürger vor Schaden zu bewahren. Zwischen dem alten Torwächterhäuschen "Am Rheintor" und dem alten Kohlenplatz (Mauerstraße) stand das "Sprützenhaus", wie es in alten Urkunden genannt wird. Später hieß es Spritzenhaus. Dort hob die Feuerwehr ihre Brandbekämpfungsmittel auf. Es War ein einfacher, einstöckiger Bau ohne Fenster aber mit zwei Toren. In den 60er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurde es abgerissen. Ein anderes Häuschen an der Rheinbabenstrasse, Ecke Hermann-Rademacher-Strasse ist uns bekannt als Feuerwehrhäuschen. Hier stand, wie einige Linner noch wissen, der Feuerlösch- und Bestattungswagen. Dieses Häuschen wurde auch von der Linner Polizei als Gefängnis genutzt. Ein in etwa 2 m Höhe befindliches halbkreisförmiges Fenster mit verrosteten Eisenstäben gab den Eingesperrten etwas Luft und Licht. Nachdem Feuerwehrwagen und Feuerlöschmittel untergebracht waren, benötigte man noch einen Feuerlöschturm sowie einen geeigneten Platz zum Üben. Als man im Jahre 1898 auf dem Margaretenplatz die rote Schule baute, fand die Freiwillige Feuerwehr hinter der Schule Platz für einen Feuerwehrturm. Hier wurden die Schläuche zum Trocknen aufgehängt. Später, als hinter der Schule der Schulbereich erweitert wurde, bekam die Feuerwehr direkt auf dem Margaretenplatz ihren Feuer-löschturm. Nachdem Holzapfel Pitter die Feuerwehr gegründet hatte, wurde um die Jahrhundertwende Kossing Franz Chef der Feuerwehr. Seine Tochter Josefine erinnert sich seit den Kindertagen mit Freuden daran, daß jeden Sonntagmorgen auf dem Andreasmarkt die Freiwillige Feuerwehr Aufstellung nahem und aus dem Söller des Hauses Wirtschaft Kossing (heute "be de Bur") die Feuerwehrmänner auf ein Tuch springen sowie durch einen bis zum Andreasmarkt reichenden Sack rutschen mußten. Die Kinder durften nach Beendigung ebenfalls diese Dinge benutzen. Ferner wurde nach dem Hochamte die Gerätschaften (Feuerwehrspritzen) am Stadtgraben (Am Mühlenhof) zur Freude der Kinder ausprobiert. Anschließend zog die Löschmannschaft in die Gaststätte "Cleophas" (Am Graben). Das Ganze wurde natürlich mit Musik begleitet, denn ein eigenes Trommlerkorps gab es seit dem Beginn des Jahrhunderts. Zu vielen Veranstaltungen wurde das Trommlerkorps der Freiwilligen Feuerwehr herangezogen. Überhaupt war damals die Feuerwehr sehr volkstümlich und organisierte und betreute z.B. den Linner St. Martinszug. Um 1900 bestand die Linner Feuerwehr aus 45 Mitgliedern. 1938 wurde der Bäker-meister Durst als Brandmeister von den Nationalsozialisten abgesetzt, weil er sich nicht in deren System einfügte. Bis dahin ist dem eifrigen Feuerwehrchef wohl oft-mals das Brot verbrannt, wenn er vom Backofen zum Einsatz mußte. 1939 übernahm Brandmeister W. Küsters die Einheit, die bald danach in die "Feuer-löschpolizei" umbenannt wurde. 1949 wurde die Freiwillige Feuerwehr in Linn aus folgenden Gründen aufgelöst: 1.) 18 Mitglieder sind im 2. Weltkrieg gefallen, 2.) die alten Feuerlöschmittel waren weitgehend zerstört oder verbraucht; für Neuan-schaffungen fehlte das Geld, 3.) auch der Steigerturm auf dem Margaretenplatz war zerstört. Seitdem übernahm die Krefelder Berufsfeuerwehr die Löscheinsätze in Linn.

1970 bezog sie an der Hafenstraße in Linn einen Neubau mit vier Löschzügen und einem Feuerlöschturm.

Karl-Heinz Foncken

 

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